Story: The Namibian Sanctuary

Photography: Jean-Luc Grossmann

Words: Chris Gindre

Place: Namibia

Language: Story available in German & French. Soon available in English

Namibische Wunderwelten

Namibia, ein Land der Besonderheiten und der Unendlichkeit. Die grössten Dünen der Welt breiten ihr rotes Tuch über das Land. Der Fish River Canyon im Süden des Landes steht seinem geologischen Bruder in Colorado in nichts nach. Und die geheimnisvollen Gebiete Damaraland, Kaokoland und die mythische Skeleton Coast beherbergen nicht nur Jahrtausende alte, rätselhafte Höhlenmalereien , sondern auch die einzigen Wüstenelefanten und die letzten in freier Wildbahn lebenden schwarzen Nashörner der Welt.

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Namibia, eines der letzten Refugien dieses Planeten, erstreckt sich über 825’418 km2 von der berühmten Kalahari- Wüste bis an den Südatlantik und weist mit seinen knapp zwei Millionen Menschen die geringste Bevölkerungsdichte Afrikas auf. Das früher unter dem Namen Südwestafrika bekannte Land erlangte erst 1990 die Unabhängigkeit. Dank seiner politischen Stabilität, seines aussergewöhnlichen Potenzials und seiner modernen Infrastruktur konnte sich der Tourismus ständig weiterentwickeln. Ein altersloses Land, das in keine Schablone passt und das aufgrund seiner natürlichen Schönheit beinahe unwirklich erscheint. Namibia hat seinen Namen “Juwel Afrikas” wohl verdient. Wenn man Namibia mit einem Wort beschreiben müsste, dann mit Vielfalt.
Vielfalt der Landschaften: Riesige Dünen, rote Granitformationen, wie die über 700 m hohe Spitzkoppe, Canyons, Savannen, Sandwüsten, Gebirge, der Kunenefluss im Norden und der Oranjefluss im Süden und nicht zuletzt die Westküste, an der die Dünen zum Atlantik hin abfallen.
Rassenvielfalt: zwölf ethnische Gruppen, darunter die Ovambos, die Hereros, zu denen auch die berühmten Himba gehören, und die legendären Buschmänner.
Tiervielfalt: 120 verschiedene Säugetierarten, 340 Vogelarten und 110 Reptilarten leben allein im Etosha-Park! Dazu kommt eine unglaubliche Pflanzenvielfalt, wobei die Welwitschia Mirabilis mit mehreren tausendjährigen Exemplaren wohl die bekannteste Vertreterin ist.

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Namibia aus der Luft betrachtet
Eine ungeheure Flamme zerreisst das Dunkel der Nacht. Ein paar Männer machen sich an einem bunten Tuch zu schaffen, das ganz langsam Form annimmt, während sich der Himmel allmählich purpurrot färbt. Der Pilot heizt die Luft in der Hülle so lange auf, bis sie zu steigen beginnt. Langsam löst sich der Weidenkorb vom Boden und die Passagiere scharen sich um den Feuer speienden Brenner. Ein heikler Augenblick, denn der Wind darf weder zu kräftig blasen, noch darf er drehen. Mittlerweile hat das Segeltuch die Gestalt eines Ballons angenommen und die Reise kann beginnen. Mit der hinter dem Naukluft-Gerbirge aufgehenden Sonne steigt die tropfenförmige Montgolfiere sanft in den Himmel. Wir werden von einem unglaublichen Gefühl der Leichtigkeit und Freiheit getragen. Ein berauschendes Schauspiel, sogar der Heissluftballon scheint die vom gedämpften, goldschimmernden Licht geweckten Luftströmungen zu geniessen. Und plötzlich ist alles erhellt: die unendlich weite Wüste, der Abgrund zu unseren Füssen, der durch den sanften Anstieg völlig in Vergessenheit geraten war, und der riesige Heissluftballon, der in der unermesslichen Weite der Natur völlig verloren wirkt.

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Mit ein bisschen Glück entdeckt man vielleicht einen einsamen Leoparden, der lautlos über das Basaltgestein schleicht, oder einen Gepard, der gerade nach einem Felsvorsprung Ausschau hält. Von hier oben erscheint die Wüste mit all ihren eindrücklichen Farbtönen in einer völlig neuen Dimension, die uns ihre unendliche Grösse nur erahnen lässt. Schliesslich übernimmt die Sonne das Zepter. Die aufkommende Hitze beendet unsere Reise und zwingt uns zu Boden. Bei der weichen Landung hinterlässt der Ballon eine glatte Bahn in dem vom Wind modellierten Sand. Vor unserem geistigen Auge lassen wir die traumhaften Bilder noch einmal Revue passieren, während der Ballon bereits fein säuberlich zusammengefaltet auf dem Boden liegt.

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Etosha, das Reich der Tiere
Wie die ersten Forscher, die diese Gegend um 1850 entdeckten, reise ich mit meiner Reisegruppe von Wasserstelle zu Wasserstelle durch das 22’300 km2 grosse Naturreservat Afrikas. Etosha wurde bereits 1907 zum Wildschutzgebiet erklärt. Am Rand der Salzwüste versammeln sich abwechslungsweise Oryxgazellen, Springböcke und Zebras, um am brackigen Wasser ihren Durst zu löschen. Im Osten des Reservats befindet sich eine 5000 km2 grosse Ebene, die so genannte Salzpfanne. Sie zeugt von einem flachen See, der hier vor zehn Millionen Jahren entstanden war und vom Kunenefluss gespeist wurde. Erdverschiebungen und Klimaveränderungen führten dazu, dass sich der Fluss ein neues Bett grub und der See allmählich austrocknete. Hin und wieder schaffen es die Flüsse Ekuma, Oshigambo und Ovambo bis zu dieser Geländervertiefung und verwandeln sie in eine kurzlebige Lagune, an der sich grosse Pelikan- und Storchkolonien tummeln. An der Wasserstelle Salvadora entdecke ich eine beinahe schon legendär gewordene Tierart. Gross und schlank, edel und zerbrechlich zugleich schlängelt sich ein Gepard durch das hohe Gras. Die langgestreckte Tagraubkatze bewegt sich in ihrem gefleckten Kleid auf eine Gruppe friedlich äsender Antilopen zu. Dann verharrt sie einen Augenblick reglos, um sich mit ihren 40 kg plötzlich und wie aus der Kanone geschossen auf ihr erhofftes Frühstück zu stürzen. Die Beschleunigung eines Gepards kann auf einer Strecke von 50 m mit der einer Formel 1-Maschine verglichen werden. Leider reicht das aber nicht immer aus: Das edle Tier verpasst seine Beute in acht von zehn Fällen. Der Tag geht bereits seinem Ende entgegen, als sie in Okondeka unvermutet vor mir auftauchen: Mit wehender Mähne und ihrer Kraft wohl bewusst, legen sich ein paar majestätische Löwen im goldenen Licht direkt meinem Allradauto gegenüber ins Gras. Ein imposantes, vermutlich weit über 250 kg schweres Männchen führt die Gruppe aus zwei jüngeren männlichen und zwei wunderschönen weiblichen Tieren an. In diesem idyllischen Augenblick weist nichts auf die ungeheure Gewalt hin, mit der die grossen Raubkatzen gegen die Gruppe von Gnus, die sich bereits am Horizont abzeichnet, vorgehen wird. Bei Einbruch der Nacht werden sie sich unter Einsatz ihrer geballten Kraft auf Beutezug begeben. Ich will ihre Ruhe nicht stören, drehe den Film zu Ende und verlasse den Ort, nicht ohne mich bei der Natur für das unerwartete Geschenk zu bedanken.

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